31. März 2022

Digitalisierungsprojekte in der Bildung mit Impact dank Design Thinking

Im Weiterbildungsstudiengang «Medien und Informatik Mentor/-in» (CAS MIM) für ICT verantwortliche Lehrpersonen (PICTS, IT-Scouts, etc.) setzen die Teilnehmenden eine umfangreiche Projektarbeit nach der Design Thinking Methode um. Sowohl das Feedback der Teilnehmenden, wie auch der beteiligten Schulen fällt dazu äusserst positiv aus.

Die hohe Wirksamkeit der umgesetzten Projekte legt nahe, dass die Design Thinking Methode und das dazugehörige Mindset für das Aufgabenfeld der ICT-Verantwortlichen Lehrpersonen (ICT LPs) besonders geeignet scheint.

Im folgenden werden drei mögliche Gründe dargelegt, warum gerade das Design Thinking in der Bildung zu Digitalisierungsprojekten mit spürbarem Impact führen können:

1. Wichtiger Mindshift: Von technik- zu menschzentrierten Projekten

Die ICT-LPs haben oft einen eher offenen Berufsauftrag und haben deshalb viele Entscheidungsfreiheiten, wie sie ihr Handeln und Wirken in der Schule gestalten. In der Community ist zu beobachten, dass technologische Herausforderungen den Berufsauftrag dominieren. Beispielsweise soll eine Serverablösung geplant, eine 1:1 Ausstattung für Schulklassen organisiert oder eine Schulhauswebsite aufgesetzt werden.

Im Gegensatz zu diesen technologisch geprägten Herausforderungen werden mit einem Design Thinking Mindset Herausforderungen und Projekte umgesetzt, welche konsequent menschzentriert sind. Dabei unterscheiden sich technologisch und menschzentrierte Projekte nicht primär durch die bearbeiteten Themenfelder, sondern durch die Perspektive, wie an eine Herausforderung herangegangen wird.

Die technologisch geprägte Herausforderung “Wie kann ich für meine Schule einen funktionierenden Sharepoint-Server einrichten?” ändert sich aus einer menschzentrierten Perspektive zu “Wie kann ich den Lehrpersonen ermöglichen, Daten effizient und sicher abzulegen?”

Dieser Perspektivenwechsel scheint zentral für die Wirksamkeit der Projekte zu sein. Nicht die Technologie steht im Zentrum, sondern die Bedürfnisse derjenigen Personen, welche die Technologie nutzen. Somit entstehen Projekte in einer Form, welche entlang der von beteiligten Personen geforderten Funktionen gestaltet werden. Die Design Philosophie «Form follows function» kommt zum Tragen und erhöht die Wirksamkeit der Projekte.

2. Stärkung der Rolle: Unterschätzte Herausforderung

ICT-Verantwortliche Lehrpersonen definieren und gestalten ihre Rolle innerhalb ihres Teams meist mit einer schriftlichen Vereinbarung, welche in groben Zügen festhält, welche Gestaltungsfelder die ICT-LP bearbeiten kann und soll. Mit der schriftlichen Vereinbarung ist jedoch erst der erste Schritt getan. Die tatsächliche Durchsetzung ebendieser Rolle verlangt von der ICT-LP eine fachliche und persönliche Autorität innerhalb des Wirkungsfeldes, welche zuerst aufgebaut werden muss.

Hier bietet der Design Thinking Prozess grosses Potential zur Stärkung ebendieser Rolle. Denn ein konsequent umgesetzter Design Thinking Prozess verlangt, dass beim Erkunden der Problemstellung Empathie für die Lehrpersonen aufgebaut wird. Um dieses Zwischenziel zu erreichen, ist ein Beziehungsaufbau zu den Lehrpersonen unumgänglich.

Die ICT-LP bekommt die Chance, mit einem offenen Ohr innerhalb des Teams präsent zu sein. Sie bekommt die Chance, ihre fachliche und persönliche Autorität in einem natürlichen und meist wohlwollenden Setting aufzubauen. Für das Kollegium wiederum wird in den Interaktionen erkennbar, wie die ICT-LP ihre Rolle gestaltet und welche Absichten und Kompetenzen sie hat. Dies wiederum trägt zur Rollenklärung bei und erleichtert den Prozess der Rollenübernahme für die ICT-LP.

Das Einholen von Bedürfnissen der Lehrpersonen als einen Teil des Design Thinking Prozesses unterstützt die Rollenübernahme der ICT-LPs.

3. Prototyping: Fail fast, fail cheap, find out

Die digitale Transformation stellt komplexe Herausforderungen an die Bildung. Für viele Problemstellungen müssen noch Lösungen gefunden werden. In zahlreichen Situationen betreten die ICT-LPs Neuland und sind selbst in der Rolle der Lernenden.

Umso wichtiger wird es, Lösungsvorschläge mutig und zügig zu entwickeln und anschliessend zu testen, damit man an neue Erkenntnisse kommen kann. Der Design Thinking Prozess animiert dazu, mit einem funktionierenden Prototypen zu überprüfen, ob der eigene Lösungsvorschlag tatsächlich wirkungsvoll ist oder nicht.

Beispielsweise kann eine neue gemeindeinterne Plattform für den Austausch von Lernmaterialen in kleinem Rahmen in Form eines Mockups getestet werden, bevor das Projekt skaliert wird und ein vielfaches an Volumen annimmt. Die Erfahrung zeigt, dass die erste Idee meist nicht den Ansprüchen der Bildungslandschaft gerecht wird und ein Umdenken erfordert wird. Testen lohnt sich!

Gleichzeitig führt das Design Thinking Mindset dazu, Rückschläge nicht als Misserfolg, sondern als Lerngelegenheit wahrzunehmen. Dies scheint besonders für Novizen ICT-LPs wichtig, welche auf einen persönlichen Kompetenzaufbau angewiesen sind, um die Ansprüche an ihre Rolle kompetent wahrnehmen zu können.

Setzt sich das Mindset auch ausserhalb des Weiterbildungsstudienganges durch?

Die Design Thinking Methode stösst bei den Teilnehmenden auf grosse Beliebtheit. Es stellt sich jedoch die kritische Frage, ob auch ausserhalb des CAS Weiterbildungsstudiengang weiterhin mit dieser Methode gearbeitet werden kann. Besonders die zur Verfügung stehenden Ressourcen der ICT-LPs sind im Berufsalltag meist kleiner, als während der Umsetzung der Projektarbeit des Studienganges.

Wir jedenfalls bleiben dran und werden im kommenden Studiengang (Start Sommer 2022) dem Design Thinking erneut viel Platz bieten.

Quellen

Spannende Angebote

Angebote des Digital Campus

CAS Medien und Informatik Mentor/-in

Das CAS Medien und Informatik Mentor/in richtet sich an Lehrpersonen, welche bei der Digitalisierung der Schule eine Schlüsselrolle einnehmen und ein Schulhausteam auf dem Weg in die digitalisierte Zukunft begleiten möchten.
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