20. Januar 2022

Flipped Classroom in Weiterbildungen: Erfahrungen und Erkenntnisse

Teile unseres Weiterbildungsangebotes entwickeln sich weiter in den virtuellen Raum hinein. Unter anderem ermöglichen wir seit diesem Jahr, dass die Weiterbildung “Lehren und Lernen mit digitalen Medien” in der Flipped Classroom Version besucht werden kann.  

Flipped Classroom bedeutet dabei, dass der Kursgruppe vor dem eigentlichen Kurs vor Ort ein Video geschickt wird, in welchem der Stoff vermittelt und erklärt wird. Dieses Video kann online zu einem selbst bestimmten Zeitpunkt geschaut werden. Wenn sich dann die vorbereitete Kursgruppe vor Ort mit der Kursleitung trifft, kann man sich auf Diskussionen und Übungen fokussieren.

Weitere Infos zum Video zur Durchführung der angesprochenen Weiterbildungen findest du im folgenden Video:

Wir haben uns von dieser Methode versprochen, dass die Vorteile des virtuellen Settings und dasjenige vor Ort besser genützt werden können und dementsprechende effizientere Weiterbildungen gestaltet werden können.

Nun, nach einem halben Jahr Erfahrung in über zehn Kursgruppen ist es Zeit für ein erstes Fazit.  

Erkenntnis 1: Bessere Lernatmosphäre 

Obligatorische schulinterne Weiterbildungen (Schilw) sind anspruchsvoll. Denn die Teilnehmenden sind oft nicht freiwillig vor Ort und konnten selten das Thema mitbestimmen. Kommt hinzu, dass die Lehrpersonen die Schilw neben ihren zahlreichen Verpflichtungen absolvieren.  

Für die Kursleitung ist es deshalb gar nicht so einfach, eine positive, konstruktive Lernatmosphäre erzeugen zu können. Gerade, wenn die Weiterbildung an einem Samstag oder Mittwochnachmittag geplant ist und die Teilnehmenden die unterrichtsfreie Zeit anderweitig nutzen möchten.  

«Im Flipped Classroom Setting ist die Lernatmosphäre jeweils spürbar besser!» 

Eine offensichtliche Erklärung liegt wohl darin, dass sich die Zeit der Weiterbildung vor Ort halbiert. Der von uns durchgeführte Kurs besteht aus drei Modulen, welche je drei Stunden dauern. Im Flipped Classroom Setting bedeutet dies, dass die Teilnehmenden sich für die drei Module jeweils 90 Minuten zu Hause vorbereiten und dann 90 Minuten mit der Kursleitung vor Ort arbeiten.  

Diese 90 Minuten vor Ort scheinen ein wesentlich angenehmeres Setting für die Lehrpersonen zu sein. Zudem können dafür auch Sitzungsgefässe genutzt werden, welche sich die Lehrpersonen sowieso reserviert haben. Das Gefühl, «extra» an einem Samstagmorgen an die Schule zu müssen, entfällt.  

Wichtiger scheint jedoch zu sein, dass mit den Videos den Lehrpersonen die Verantwortung für ihr eigenes Lernen gegeben wird. Das Vermitteln der (kurzen und knackigen) Theorie der drei Module findet in einem Rahmen statt, welchen die Lehrpersonen selbst gestalten können. Wir geben nicht vor, wann und wo diese geschaut werden sollen.  

Rückmeldungen zeigen, dass die Lehrpersonen diese Eigenverantwortung sehr schätzen. Wir können damit zeigen, dass wir die Bedürfnisse der Teilnehmenden respektieren. Daraus kann eine fruchtbare Grundlage für eine Zusammenarbeit entstehen, woraus wiederum eine positive Lernatmosphäre wachsen kann. 

Die Lernvideos bieten noch einen weiteren grundlegenden Vorteil. Im Gegensatz zu einem Fachreferat vor Ort kann das Video im eigenen Rhythmus erarbeitet werden. Nebst der Funktion für das Pausieren gibt es auch die Möglichkeit ein Video in beschleunigter Form zu schauen. Dies hilft uns, die Heterogenität aufzufangen und verhindert viel Frust darüber, ob nun ein Fachreferat zu langweilig und langsam oder zu schnell und kompliziert war. 

Erkenntnis 2: Kultur der Digitalität erleben 

Mit der Weiterbildung beabsichtigen wir, die Lehrpersonen darauf zu sensibilisieren, wie sich das Lernen und Lehren mit digitalen Medien verändern kann. Mit dem Flipped Classroom Setting lassen wir die Lehrpersonen eine solche Veränderung gleich selbst erleben. Dies gibt für unsere Weiterbildung Kredibilität und Vertrauen vonseiten der Lehrpersonen.  

Fazit: Die Zukunft der schulinternen Weiterbildungen entdeckt 

Mit dem Flipped Classroom Setting haben wir eine effektive Form für schulinterne Weiterbildungen gefunden, welche wir auch in Zukunft anbieten wollen. Wir sind von den Vorteilen überzeugt und entwickeln das Format weiter.  

Wir sind uns bewusst, dass wir mit diesem Format gleichzeitig auch gewissen Strukturen rütteln, welche sich seit Jahren an den Schulen etabliert haben. Das Format der schulinternen Weiterbildungen scheint an gewissen Schulen beinahe Tradition zu haben. Während wir diese Traditionen und Rituale respektieren und schätzen, fühlen wir uns gleichzeitig in der Rolle wohl, Impulse der digitalen Transformation an die Schule weiterzuleiten.

Interessiert an der Weiterbildung?

In diesem Holkurs für Schulhausteams beleuchten wir aktuelle Trends und technologische Entwicklungen der digitalen Medien im Anwendungsfeld Unterricht und gehen auf konkrete Umsetzungsmöglichkeiten ein.

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