23. Mai 2022

Konstruktiver Umgang mit Widerstand

Embrace the resistance!

Wer als Akteur oder Akteurin in der digitalen Transformation der Schule unterwegs ist, kennt das Phänomen ziemlich sicher: Widerstand der Lehrpersonen gegen ein Veränderungsangebot, zum Beispiel in Form von Kritik an einer Weiterbildung. Diese Tatsache war auch bei der kürzlich vergangenen CAS Medien und Informatik Mentor/-in Veranstaltung ein zentrales Thema bei den Teilnehmenden. Die in einem Instagrampost zusammengefassten Inputs der Teilnehmenden zeigt, dass die Widerstände an den Schulen vielfältig sind:

Während dieser Widerstand unangenehm für alle Beteiligten ist, liegt in ihm auch gleichzeitig ein grosses Potential. Im Folgenden wird aufgezeigt, wie dieses Potential abgerufen werden kann:

“Danke, dass du dich wehrst.” – Widerstand als Erkenntnisquelle

Zunächst bietet Widerstand die wertvolle Gelegenheit neue Erkenntnisse zu gewinnen und sollte daher begrüsst werden. Gerade weil es für die Begleitung einer Bildungseinrichtung bei der digitalen Transformation kein Rezept gibt, ist es zentral, dass Ideen und Visionen von einem kritischen Publikum überprüf und validiert werden. Feedback in Form von Widerstand ist deshalb Gold wert. In dem Sinne ist Widerstand für die Akteure und Akteurinnen ein “realty Check”, welcher viele Informationen liefern kann.

Ursachen für Widerstände können geklärt werden

Um tatsächlich Erkenntnisse aus dem Widerstand zu erhalten, muss dieser analysiert und eingeordnet werden. Es kann unterschieden werden, ob der Widerstand vor, während oder nach dem Veränderungsangebot auftritt.

Widerstand vor dem Veränderungsangebot

  • Mögliche Ursache: Meist kann der Widerstand mit fehlender Motivation erklärt werden. Für die Lehrpersonen ist die Relevanz des Angebotes nicht ersichtlich.
  • Dies kann daran liegen, dass das Veränderungsangebot sich schlicht nicht mit den tatsächlichen Herausforderungen/Problemstellungen der Lehrpersonen deckt. Es ist aber auch möglich, dass die Lehrperson ein Problem gar nicht wahrnehmen kann und deshalb das Veränderungsangebot fälschlicherweise als nicht relevant einstuft.
  • Tipp: Geschickt kommunizieren. Dank Storytelling können die Lehrpersonen besser abgeholt werden, indem nachvollziehbare Stories aus dem Kontext der Problemstellung gezeigt werden. Diese Geschichten können beispielsweise auch aufzeigen, wie der Output des Veränderungsangebotes die Arbeit der Lehrpersonen verändern kann. Ausschreibungen für Veränderungsangebote werden dadurch um ein Vielfaches attraktiver.
  • Tipp: Idee verwerfen. Wenn trotzdem die Lehrpersonen nicht motiviert werden können, dann sollte abgewogen werden, ob das eigene Angebot schlicht zu wenig auf die Bedürfnisse der Lehrpersonen zugeschnitten ist, um deren Aufmerksamkeit zu verdienen. Dann ist es Zeit die Idee zu verwerfen und ein neues Angebot vorzubereiten.

Widerstand während der Auseinandersetzung mit dem Veränderungsangebot

  • Mögliche Ursache: Es gelingt den Lehrpersonen nicht, Elemente des Lernangebots in die eigene kognitive Strukturen zu integrieren. Ein Wissensaufbau und ein darauf folgender Kompetenzaufbau ist nicht möglich.
  • Es ist möglich, dass ein Veränderungsangebot die falsche Flughöhe für das Publikum hat. Erfahrungsgemäss lösen besonders zu schwierige Aufgaben einen grossen Frust bei denjenigen Lehrpersonen aus, welche das Veränderungsangebot dringend wahrnehmen sollten. Eine Kapitulation während der Auseinandersetzung kann die Folge sein.
  • Hingegen darf nicht vergessen werden, dass viele Lehrpersonen bereits sehr weit sind. Ein Veränderungsangebot, welches als blosse Repetition wahrgenommen wird, kann dazu führen, dass die Beteiligung sinkt.
  • Tipp: Heterogenität des Publikums beachten. So wie es auf den Zielstufen bereits vorgelebt wird, sollten auch Veränderungsangebote auf der Ebene der Erwachsenenbildung selbstverständlich die Heterogenität des Publikums berücksichtigen. Beispielsweise mit Aufgabenstellungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
  • Tipp: Kultur der Digitalisierung erklären und fassbar machen. Nicht allen Lehrpersonen sind die Phänomene der Kultur der Digitalität bekannt (Social Media, Gaming, usw.). Es kann hilfreich sein, wenn diese Phänomene im Veränderungsangebot sichtbar und fassbar werden, damit verstanden werden kann, wie diese funktionieren und wirken.

Widerstand in der Transferphase

  • Mögliche Ursache: Es gelingt den Lehrpersonen nicht die Inputs des Veränderungsangebotes umzusetzen aufgrund fehlender Kompetenzen.
  • Es ist gut möglich, dass mit dem Veränderungsangebot nicht alle Lehrpersonen das Ziel erreicht haben und noch nicht bereit sind für eine Umsetzung. Es besteht die Gefahr, dass keine Veränderungen umgesetzt werden.
  • Eine Betreuung nach dem Veränderungsangebot wird nötig, um das Kompetenzdefizit aufzuarbeiten.
  • Tipp: Mentoring und Coaching Strukturen aufbauen. Neben dem Inhalt kann auch die Form eines Veränderungsangebotes angepasst werden. In diesem Falle zahlen sich wirkungsvolle Mentoring und Coaching Strukturen aus, welche eine enge Zusammenarbeit mit wenigen Lehrpersonen ermöglichen.

Fazit: Lernen dank Widerstand

Nach der hier vorliegenden Vorstellungen sollen Widerstände respektiert und thematisiert werden. Damit dies gelingt, sind die Akteure und Akteurinnen des digitalen Wandels auf eine gute Beziehung zu den Lehrpersonen angewiesen. Wer sich vertiefter mit dieser Thematik auseinandersetzen möchte, kann dies einerseits selbstständig mit Literatur (siehe unten), oder besucht das CAS Medien und Informatik Mentor/-in, in welchem die wirkungsvolle Rollengestaltung ein zentrales Thema ist.

Weiterführende Literatur

Huber, A. A. (2003). Möglichkeiten des konstruktiven Umgangs mit Widerstand in erwachsenendidaktischen Veranstaltungen. Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO), 34(2), 133–145. https://doi.org/10.1007/s11612-003-0014-1

Website: «Argumente gegen das Digitale in der Schule» von Beat Döbeli

Spannende Angebote

Angebote des Digital Campus

CAS Medien und Informatik Mentor/-in

Das CAS Medien und Informatik Mentor/in richtet sich an Lehrpersonen, welche bei der Digitalisierung der Schule eine Schlüsselrolle einnehmen und ein Schulhausteam auf dem Weg in die digitalisierte Zukunft begleiten möchten.
Weitere Blog-Beiträge

Das könnte dich auch interessieren!

"Jobcrafting": So können Lehrpersonen wachsen und ihren Traumjob finden

Konstruktiver Umgang mit Widerstand

Mit einem Profilierungsgespräch zum individualisierten CAS Studienverlauf

Internet of Things mit Calliope Mini

Digitalisierungsprojekte in der Bildung mit Impact dank Design Thinking

Prototyp: Unsere erste Weiterbildung auf Instagram